Anazarbe

Turquie | Royaume Arménien de Cilicie

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Toponymes connus

  • Anazarbe
  • Anavarza Turc
  • Anazarbus Latin
  • Anarzaba - Անարզաբա Armenian
  • Aïn Zarba - عين زربا Arabic

Description

Français | Deutsh

Geschichte

Anavarza liegt an einer strategischen Stelle über der Ebene von Kilikien, wo nicht selten Reiche ihre Grenzen zu setzen versuchten. Obwohl sie mehrmals überfallen wurde bleibt die auf einem atemberaubenden Felsen gebaute Festung eine der schönsten im ganzen Nahost. Pompeius eroberte die Handelsstadt gegen Tigranus II. den Großen, zugleich mit gesamt Kilikien und Nordsyrien. Damit begann für das römische Anazarbus im 1.Jh. ein wirtschaftlicher Aufschwung. Fünf Jahrhunderte blieb die Stadt unversehrt, dank dem Schutz einer natürlichen Felswand und einer starkgebauten Mauer. 638 konnte das Römisch-byzantinische Reich einen Angriff des Islams nicht abweisen und die Kalifen von Damaskus und später Bagdad richteten hier ein Grenzbollwerk ein. 962 gelang es dem byzantinischen Kaiser Nikephoros II. Phokas Anavarza, Sis und gesamt Kilikien zurückzuerobern. Nach der Niederlage der Byzantiner gegen die Seldschuken in Manzikert (1071) flohen die armenischen Barone aus ihrem zerstörten Reich in Kaukasien und besetzten Anavarza, wo tausend Jahre früher sich bereits Armenier niederließen.

1097 eroberte für eine kurze Zeit der Kreuzritter Tankred die Festung, aber eine armenische Familie, die Hetumiden, nahmen sie zurück. 1110 gründete in Anavarza der armenische Fürst Thoros I. Rupin sein eigenes Reich. 1130 konnte der byzantinische Kaiser Johannes II. Komnenos nach 37 Tagen Belagerung die Rupiner bezwingen. Auch die Kreuzritter, so Raimund von Antiochia, mussten die Lehnsherrschaft von Byzanz anerkennen.

Doch 1138 entfloh Thoros II. der Gefangenschaft in Byzanz und gründete nach einem Sieg 1152 gegen die Griechen ein neues armenisches Rupiner-Reich mit Hauptsitz in Anavarza. Byzanz ermutigte dann Sultan Mas’du Anavarza anzugreifen. Der Angriff scheiterte, weil eine Vorhut der Seldschuken von Tempelrittern vernichtend geschlagen wurde. Manuel I. Komnenos wendete sich dann an Renaud von Chatillon, der die Armenier besiegte, sich aber anschließend mit den Besiegten gegen Byzanz verbündete, um einen Feldzug gegen Zypern zu unternehmen. Manuel I. Komnenos beschloss deshalb persönlich Anavarza zu erobern. 1158 mussten sich Renaud und Thoros beugen. Zum letzten Mal beherrschten die Byzantiner Anavarza und Antiochia. 1176 kam es zur Schlacht von Myriokephalon, in der Manuel den Türken unterlag. Dadurch wurden seine früheren Erfolge in diesem Raum zunichte gemacht. Der Armenier Leo II. konnte sich als König des “Klein Armeniens” behaupten. Nur vorübergehend eroberte Bohemund III. Anavarza, das rasch wieder den Armeniern gehörte. Das Armenische Reich wurde ab 1250 allmälich von den Angriffen der Mameluken geschwächt. 1375 erlag endgültig Anavarza und wurde eine Festung des Mamelukenreiches.

Zahlreiche Überreste zeugen von dieser jahrhunderte langen Geschichte. Von der römischen Stadt in der Ebene sind Teile der Mauern und Aquädukte noch zu sehen. Von der Festung im oberen Teil bleiben sehr beeindruckende Mauern und Türme der beiden Teile. Die von ThorosII. Gebaute Kirche steht noch aufrecht im unteren Teil.